Revolution 2.0 beendet

  • Gespanntes warten vor dem Fernseher
  • Feierlichkeiten und Freude über die Verkündung
  • Polizei unter den Feiernden

Wir hoffen es zumindest und schauen jetzt erst mal positiv in die Zukunft.

Gestern Abend überschlugen sich die Ereignisse im wahrsten Sinne des Wortes. Nach einem ganz normalen Tagesverlauf wartete jeder ab dem Spätnachmittag gespannt darauf was dieser wohl bringen wird. Ab 16 Uhr stieg die Spannung an, denn jeder erwartete in Kürze entscheidende Worte des Militärs. Die ersten Gerüchte, das Militär sei jetzt auch in Hurghada zu sehen, entpupten sich als vollkommen falsch. Bis spät in die Nacht hinein war von Militär in Hurghada nicht mal eine Jacke / Hose zu sehen, geschweige denn ein Militärfahrzeug. Die Zeit verging, es passierte nichts. Man machte Musik um die Zeit zu überbrücken bis es endlich neue Nachrichten gibt. Die Mursigegner hatten sich wieder am Kreisverkehr in Neu-Hurghada getroffen, die Mursibefürworter waren nicht auf der Straße zu sehen. Sie waren später nur kurz, nach 21 Uhr, mal an der Moschee im alten Teil der Stadt zusammen gekommen, lösten sich aber schnell wieder, im Eindruck der übermächtigen Freude aller anderen, auf.
Am Kreisverkehr in Neu-Hurghada kehrte um 21:00 Uhr plötzlich Stille ein, die Musik wurde ab- und das Radio zugeschaltet. Live via Radio und am Fernseher wurde die Ansprache des Armechefs verfolgt. Wie üblich wird bei solchen Reden erst mal „drum herum“ geredet, daher war das „Knistern“ sprichwörlich zu fühlen, das in der Luft lag. Als endlich die erlösenden Worte kamen, ging der weitere Teil der Reden im Jubel förmlich unter. Wie auch in den Berichterstattungen aus der Hauptstadt, war es auch hier ein frenetischer Jubel, der den von 2011 bei weitem übertraf. Die bis dahin überschaubare Menge an Leuten, ich denke es waren bis dahin vielleicht 300, vervielfältigte sich in einer halben Stunde auf das mindestens 5 Fache.

Als ich weiterzog, um die Stimmung der Altstadt aufzunehmen, strömten immer noch Meschenmassen zum Platz der Gegner Mursis, wo ausgelassenst gefeiert wurde. Auf dem Weg zur Altstadt kamen mir hunderte hupende Autos entgegen. Mit Fahnen versehen schauten mir aus den offenen Fenstern und Schiebedächern entspannt lachende und überglücklich freundliche Gesichter entgegen. Die liebe deutsche Polizei hätte einen Herzinfakt bekommen, beim Anblick was hier so alles in und auf Autodächern sitzt … .

In der Altstadt, in der Sheery Street, war um kurz nach 22 Uhr kein Durchkommen mehr. Da stand so gut wie alles still. Gehuldigt wurde besonders zwei Polizeiwagen, die mit Blaulicht und Sirenen am Freundenumzug teilgenommen haben. Die Polizei, so scheint es, ist also wieder mit im Spiel. Autos voller Menschen die fahnenschwenkend und hupend versuchten auf der Straße weiterzukommen. Schlussendlich brach der Verkehr komplett zusammen. Einen Ausweg, mit dem Wagen, gab es nur noch über die Seitenstraßen.

Die Party ging lang, bis weit nach Mitternacht wurde fröhlich gehupt und gefeiert.

Dies sind Eindrücke die sich rein auf Hurghada beziehen. Das Ägypten noch nicht ganz „über den Berg ist“, ist klar, erst die kommenden Tage werden zeigen wohin die Reise wirklich geht. Aber, und das ist das Wichtigste der vergangenen Nacht, ein unendlich unfähiger Präsident wurde abgesetzt. Eine Neuausrichtung ist jetzt wieder möglich und wenn das alles mit Bedacht und unter Berücksichtigung aller Strömungen im Lande, also auch mit dem Muslimbrüdern, gemacht wird, könnte die Revolution 2.0 ein guter Anfang für eine gute Zeit in diesem Land werden.

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