Irre: Schwertwale beim jagen

  • Jagender Schwertwal
  • Schwertwal jagt Thunfisch
  • Schwertwal mit Adlerrochen
  • Schwertwal und Adlerrochen zusammen
  • Schwertwale

Unsere Tauchlehrerin Lucy von unserer Schwesternbasis Blue Water Dive Resort hatte vor zwei Tagen das unglaubliche Glück mit den Tauchern des Dive Team Hamburg eine Gruppe von Kleinen Schwertwalen beim jagen auf Thunfische zu beobachten. Erst einmal musste sie das Erlebte verarbeiten und hat nun diesen tollen Bericht dazu verfasst.Was für eine Story … Vielen Dank auch an Jessica und Marco vom Dive Team Hamburg für die beeindruckenden Fotos.

Es war einer dieser wunderbar entspannten Momente auf dem Boot. Alle waren bereits umgezogen nach dem zweiten Tauchgang und ließen sich ein ägyptisches Dessert schmecken und unterhielten sich über die Ereignisse des Tages. Seit Anfang des Urlaubs hatte die Gruppe des Dive Team Hamburg auf der Basi noch keine Möglichkeit gehabt mit Delfinen zu tauchen oder zu schnorcheln.

Dann kam der Ruf von Emad, dem Koch: Delfine! Delfine! Manche liefen aufgeregt zur Reling, um Ausschau zu halten, andere, die solche Begegnungen schon öfter gehabt hatten, beendeten erstmal in aller Ruhe ihre derzeitige Tätigkeit. Ich war eine dieser Personen. In aller Ruhe ging ich nach einigen Augenblicken raus um die Delfine mit der Gruppe anzusehen. Ein Tier näherte sich unserem Boot und Emad rief so etwas wie: Schau! Ein ganz großer! Ich sah den Rücken des Tiers die Wasseroberfläche durchschneiden, dann konnte ich es ganz deutlich erkennen. Es war kein Delfin, es war ein Kleiner Schwertwal. Ich hatte von solchen Begegnungen schon gehört gehabt, war allerdings selber bis jetzt nie die Glückliche gewesen. Ich schrie aus vollem Hals: Leute, das sind keine Delfine, das sind Wale!

Wie von der Tarantel gestochen liefen alle herum und schnappten ihre Schnorchelausrüstung. Kapitän Abu Rami fuhr mit dem Boot ein Stück vor die Schwertwale und ließ uns ins Wasser springen. Was  dann Geschah ist unglaublich:

Unter uns flog ein riesiger Adlerrochen über eine Gruppe von fünf  Kleinen Schwertwalen. Der Anblick war überwältigend. Was mir aber noch mehr den Atem raubte war der Schall, der sich unter Wasser ausbreitete. Die Wale sangen. Die Töne, die sie von sich gaben lassen sich mit keinen Worten beschreiben. Es war ein Konzert aus verschiedenen Arten von Geräuschen in unterschiedlichen Tonlagen. Das Geräusch schien von überall zu kommen, als wären wir in ein Gelee aus Schall hineingetaucht. Es ging durch den Körper bis zu den innersten Tiefen meiner Seele. Die Schnorchler schossen in alle Richtungen, jeder seinem nächsten Wal hinter her. Es waren viele und sie schienen von überall zu kommen. Es war schwer sie zu zählen, denn sie schwammen kreuz und quer und wechselten die Gruppen. Später einigten wir uns auf zehn. Wir sahen zwei Walkühe mit je einem Kalb, einen riesigen, bestimmt sechs Meter großen Bullen und noch mehrere Einzeltiere.

Die Kleinen Schwertwale sehen tatsächlich ein wenig aus wie Delfine. Sehr große schwarze Delfine, mit einem kräftigen Körper und einem runden Kopf. Ich bin einem Tier wirklich sehr nahe gekommen und konnte die glatte runde Stirn, seine Augen und sein Maul betrachten. Seine Zähne sind rundlich und sehen kräftig aus. Spätestens in diesem Moment wurde mir klar, mit was für einem starken Raubtier ich da versuchte um die Wette zu schwimmen. Dies hat sich wenige Augenblicke später noch bestätigt, denn wir konnten beobachten, wie die Wale Thunfische jagten. Ohne jegliche Anzeichen von Mühe glitten ihre glänzenden Körper durchs Wasser, so schnell, dass wir mit unseren erbärmlich erscheinenden Kunststoffflossen nicht im Geringsten eine Chance hatten ihnen nachzukommen. Wir wurden vom Boot abgeholt und schauten von oben weiter zu. Wir sahen, wie einer der Wale einen Thunfisch bedrängte ehe er ihn sich schnappte. Der schöne Fisch, der selbst ja nicht klein ist, war für den Meeressäuger nur ein Happen. Er spielte eine Weile mit ihm, schnappte dann zu und tauchte unter. Erneut sprangen wir ins Wasser und konnten Zeugen von diesem Jagdverhalten sein. Doch es wurde noch besser. Der größte Bulle der Gruppe erwischte erneut einen Thunfisch und brachte ihn einem Weibchen, das ein Kalb bei sich hatte. Das Muttertier zerteilte den Leckerbissen und fütterte damit ihr Kalb.

Da waren wir also, so klein und ungeschickt an der Wasseroberfläche paddelnd und angestrengt schnaufend und sahen dieser Walfamilie zu. Was für ein Gefühl! Was für ein Glück! Was für ein Privileg dabei zu sein inmitten ihrer Walgesänge, ihren eleganten Bewegungen zu folgen, ihre anmutigen Körper zu beobachten. Ich schrie mehrfach vor Glück, ich konnte diese überwältigende Euphorie nicht in mir behalten. Wir alle waren auf dem Gipfel des vorstellbaren Glücks, jubelnd, weinend. Drei Mal holte uns das Boot ab, drei Mal durften wir wieder zu ihnen ins Wasser. Die Zeit verflog, die ganze Welt verschwand, es gab nur noch uns und die Wale. Es wurde spät, die Sonne ging langsam unter. Das Meer war ganz still, also wollte es unser Treiben nicht stören. Die glatte im roten Licht der untergehenden Sonne schimmernde Wasseroberfläche wurde nur hie und da von den schwarzen Rückenflossen der Schwertwale durchbrochen. Langsam entfernten sie sich und ließen uns sprachlos zurück. Ihre Lieder konnten wir noch lange hören. Sie erfüllten das Wasser und die Luft, auch wenn die Wale schon lange aus unserer Sichtweite verschwanden. Die Erinnerungen werden wohl jeden von uns noch lange begleiten. Wenn ihr also mal einen Taucher am Roten Meer seht, der verträumt lächelnd in die Ferne Blickt – vielleicht sieht er ja ziehende Kleine Schwertwale vor seinem inneren Auge…

7 Kommentare zu "Irre: Schwertwale beim jagen"

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