Unser Hurghada-Tagebuch im September

Hurghada Tagebuch

Die Medien berichten über die Lage und Situation in Ägypten und Hurghada, allerdings nicht in dem sachlichen Maß wie es die Sachlage verdient hätte, “negativen Meldungen” Meldungen und reißerische Titel verkaufen sich halt einfach besser. Das die Vorkommnisse in Cairo, Alexandria und anderen Teilen überhaupt nicht gut sind, kann jeder normal denkende Mensch nachvollziehen. Gewalt und gegenseitiger Hass hat bisher in der ganzen Weltgeschichte noch nie zu einem positiven Ende geführt. Aber nicht immer ist alles so brutal und schlimm wie es dargestellt wird.

Deshalb möchten wir Euch gerne hier eine Zeit lang einen kleinen Einblick in unser tägliches persönliches Leben und Abläufe in Hurghada und das Erlebte eines jeden Tages von uns hier niederschreiben. Vielleicht ist es eine etwas ungewöhnliche Art und Weise, aber wir finden das Ihr ein Recht habt auch von uns hier vor Ort über die tatsächliche Lage in Hurghada informiert zu werden. Was Ihr dann daraus macht und ob es Euch hilft, ist Euch überlassen.

Kurz zu mir: Mein Name ist Farid Abdel-Al, ägyptischer Name – Hamburger Jung‘ . Ich bin beim James & Mac Diving Center und der Schwesterbasis Blue Water Dive Resort für die Tauchlehrerausbildung verantwortlich. Seit dreizehn Jahre lebe ich nun schon in Ägypten.

Das Land, und speziell Hurghada, hat in dieser Zeit viel erlebt. Und nun also ein erneuter Umbruch in Kairo. Die Gegensätzlichkeit zwischen den Ereignissen in Kairo und dem täglichen Leben hier verwundert mich jeden Tag. Das Leben geht hier seinen gewohnten Gang aber es wird sich durch die Reisewarnung in den nächsten Wochen verändern. Ich gebe euch in den nächsten Wochen einen Einblick in unser / mein tägliches Leben.

Viel Spaß an unserem Leben hier.

Freitag 27.09.2013

Liebe Tagebuch Leser, erst einmal vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und eure zahlreichen Kommentare. Uns hat es sehr geholfen, dass ihr uns in dieser unruhigen Zeit begleitet habt. Wir hoffen sehr, dass wir euch mit unseren täglichen Eintragungen ein Bild vom Roten Meer jenseits der Medienberichte liefern konnten. Da sich die Lage in Hurghada zusehends normalisiert und auch die Reiseveranstalter ihre Reisen ans Rote Meer wieder aufnehmen lassen wir unser Hurghada Tagebuch hiermit ausklingen.

Natürlich möchten wir euch auch weiterhin täglich auf dem Laufenden halten, was im, auf und am Roten Meer so passiert. Dafür bieten wir ab dem 1.Oktober einen neuen Service an: Unser Schiffslogbuch. Hier berichten wir  täglich von den angefahrenen Tauchplätzen und von besonderen Sichtungen.

Schiffstagebuch

Donnerstag 26.09.2013

Wenn man seinen Arbeitsplatz am oder auf dem Meer hat, dann muss man nicht auch zwangsläufig seinen freien Tag dort verbringen. Man muss auch nicht das schöne Wetter ausnutzen um mal wieder rauszukommen. Wir haben  immer Sonnenschein bei strahlend blauen Himmel, die drei Tage wo mal Wolken zu sehen sind zählen nicht. Ja was tut man an seinem freien Tag. Ein Park oder Wald zum Spazieren gehen wär nicht schlecht, aber man kann ja schließlich nicht alles haben. Und beschweren will ich mich auch nicht.

Heute habe ich eine grandiose Idee, ich lasse die Fensterläden und Gardienen geschlossen, hau die Klimaanlagen auf volle Pulle und stell mir vor: Es ist einer dieser verregneten kalten Herbsttage, die ja in Deutschland bald an der Tagesordnung sind. Ich kann mich noch ganz dunkel erinnern, wenn der kalte Wind den Regen durch die Gegend peitscht, dann will man auf keinen Fall auch nur einen Schritt vor die Tür setzten. Brrrr ist das kalt hier (die Klimaanlagen zeigen ihre Wirkung) also schnell Jogginghose, Pulli und dicke Socken an. Was mach ich nur bei diesem s….wetter. Ich werde mal meine Urlaubsfotos sortieren, mich dabei mit Photoshop zum Nachbearbeiten auseinandersetzten und später ganz gemütlich eingemummelt in einer Decke einen Film schauen. „Dr Schiwago“ oder „Vom Winde verweht“ hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Die Kaminfeuer-APP auf meinem MeMo Pad macht die Illusion perfekt und der heiße Tee und die Hühnersuppe zwischendurch tun richtig gut.

Später in der Nacht wach ich erschrocken auf, weil ich schlecht geträumt habe, ich hab geträumt ich wär wieder zurück im kalten Deutschland.Als ich am nächsten Morgen aufwache, beschließe ich, am nächsten freien Tag wieder mit dem Boot zum Tauchen rauszufahren.

Mittwoch 25.09.2013

Heute Vormittag bekamen wir die Nachricht, das das Auswärtige Amt  seinen Reise- und Sicherheitshinweis für Ägypten verändert hat und rät nicht mehr von Reisen ans Rote Meer ab. Demzufolge werden nun auch alle Reiseveranstalter Ägyptenreisen wieder in ihr Programm aufnehmen. Kurz danach schrieb mir James in einer Rundmail das das Giftun Hotel und somit James & Mac am 10. Oktober wieder seine Pforten öffnen wird. Na HAMDULAH, dann wird ja in gut 2 Wochen die Normalität wieder langsam bei uns einziehen. „HERZLICHES DANKESCHÖN“ allen Gästen, die sich bislang nicht davon abbringen ließen, ihren Tauchurlaub bei uns zu verbringen.

Den Rest des Tages verbringe ich damit diese tollen Neuigkeiten via Internet meiner Familie und meinen Freunden mitzuteilen. Abens nach dem Training werde ich Fußball schauen gehen DFB Pokal, Bayern gegen Hannover. Das darf ich als gebürtiger Hannoveraner auf keinen Fall verpassen. Der Sender Al Jaziera überträgt solche Spiele, allerdings muss ich dafür in das Restaurant Bombay gehen, gut das es nur 150 Meter die Straße runter ist. Und wer weiß, vielleicht trinke ich zu Feier des Tages dann noch ein zweites Bier.

Dienstag 24.09.2013

Guten Morgen Hurghada, heute werde ich mir mal ein schönes deutsches Frühstück kredenzen. Raus aus dem Haus und 250m die Straße runter ist die Deutsche Bäckerei.Auf dem Weg dorthin gehe ich an gefühlt 20 mich anhupenden Taxis vorbei, die mich davon überzeugen wollen, doch ein Taxi zu nehmen. Die können einem leidtun, sind sie doch auf die Touristen angewiesen, die ja schon seit Wochen ausbleiben. Nein, sorry Jungs, für die 200 Meter kann ich wirklich kein Taxi nehmen.

Beim Bäcker hab ich die Qual der Wahl , leckere Croissants und die verschiedensten Brötchen lächeln mich an, ach und zum Abendbrot könnte ich ja mal wieder ein Bauernbrot essen oder doch lieber das gesunde Volkornbrot. Noch 50 Meter weiter im Supermarkt warten gut sortierte Kühlregale mit Wurst, Käse und Milchproduckten auf mich. Noch schnell ein paar Eier und einen frischen Orangensaft. Und zurück geht es in mein Appartement.

Nach dem Frühstück steht putzen und Wäsche waschen auf dem Programm, dabei stelle ich fest, dass die Fenster auch  eine Reinigung vertragen konnten. Nebenbei gucke ich was auf Facebook so los ist und chatte mit ein paar Freunden. Eh ich mich versehe ist es Abend und es wird Zeit ins Fitness Center zu gehen. Ein bisschen Cardio, ein bisschen Gewichte stemmen und das Gewissen ist beruhigt  etwas Gutes für den Körper getan zu haben.Auf dem Rückweg lass ich bei einem Bier im Bombay den Abend ausklingen, treffe dort ein paar Kollegen die mir erzählen wie ihr Tag auf dem Meer und der Basis war.

Montag 23.09.2013

Hurghada besteht aus mehreren Stadtteilen und hat sozusagen 2 Stadtzentren. El Dahar, die Altstadt, wo das typisch ägyptische Leben pulsiert und Al-Sakkala, der touristische Stadtteil mit vielen Hotels, Restaurants und Geschäften. Sakkala hat sich mittlerweile zum neuen Stadtkern etabliert, wird aber oft verkannt. Bewegt man sich nur auf den Hauptstraßen kann es mitunter anstrengend werden, bestehen sie doch fast ausschließlich aus Shops und die Händler versuchen ihre Waren an den Touristen zu bringen. Ideal wenn man shoppen möchte, doch sollte man sich als unerfahrener Tourist briefen lassen, wie man am besten mit den Händlern umzugehen hat.

Bewegt man sich abseits dieser Straßen und taucht tiefer in Sakkala ein, findet man auch das typisch ägyptische Leben, auf Touristen trifft man hier nur noch selten. Ich selbst und viele unserer Mitarbeiter haben sich ein Appartement in Sakkala gemietet. Ich finde es toll hier zu wohnen. Die vielen Einkaufmöglichkeiten, Restaurants und auch das Nachtleben mit seinen Bars und Clubs machen Sakkala zum perfekten Kiez für mich.

Sonntag 22.09.2013

Heute schreibe ich meinen ersten Tagebuch Eintrag. Ganz schön ungewohnt, aber ich werde mir Mühe geben. Nur für alle, die es nicht mitbekommen haben: Um euch auch einmal eine andere Sichtweise der Geschehnisse hier in Hurghada und auf unserer Tauchbasis zu liefern schreibe ich ab heute jeden Tag etwas ins Tagebuch. Mein Name ist Helmut Feix, genannt Helle. Ich bin zweiter Basisleiter im Blue Wasser Dive Resort, der Schwesterbasis von James und Mac.

Wie ihr ja wisst,  haben wir das Blue Water Dive Resort mit James & Mac zusammen gelegt.

So konnte ich heute sehr viele James & Mac Gäste begrüssen. Die meissten kenne ich noch aus meiner Zeit als Tauchlehrer bei James& Mac. Da kamen viele tolle Erinnerungen an tolle Tauchgänge hoch, schön das die mich alle besuchen kommen (das war gar nicht so einfach das zu arrangieren 😉 ) Abends beim Dekobier schwärmten alle davon, das das Blue Water Dive Resort ja viel dichter an den nördlichen Tauchplätzen gelegen sei. So hat jede Situation auch seine Vorteile.

Durch die Zusammenlegung der beiden Dive Center haben wir natürlich auch unseren Dienstplan verändert. Da nun zwei komplette Officeteams einsatzbereit zur Verfügung stehen, haben wir einen Schichtplan ausgearbeitet. So arbeitet jeder von uns ein paar Tage und hat dann ein paar Tage frei.

Hmmm, das hört sich ja gar nicht so schlecht an aber viel lieber wäre es mir natürlich wenn wir viel zu tun hätten. Denn was fange ich mit dem Überangebot an Freizeit an…? Aber ich bin überzeugt davon, dass wir schon bald ein Ägypten Revival erleben werden. Inshallah, wie man hier so sagt …

Samstag 21.09.2013

Wir haben in den letzten Wochen ja viel über alternative Anreisemöglichkeiten zu uns ans Rote Meer geschrieben. Ich habe jetzt mal die Strecke im Selbstversuch ausprobiert und möchte euch davon berichten. Ich habe mich von Hurghada aus aufgemacht um nach München zu reisen. Die ausgewählte Airline war Egypt Air. Los ging es ab Hurghada nach Kairo mit dem kleinen Ableger Egypt Air Express. Die Flugzeit beträgt grade einmal eine Stunde.
In Kairo kommt man am Terminal 3 an, das neueste und modernste Terminal am Airport Kairo. Das Umsteigen ist sehr einfach – man wechselt lediglich das Stockwerk. Dort gibt es auch einen großen Bereich mit verschiedenen Restaurants, Fast Food Ketten und Cafés mit einem tollen Blick auf das Flugfeld. Alle Gates sind hervorragend ausgeschildert.
Pünktlich hob dann meine Egypt Air Boing 737 nach München ab. Egypt Air ist ja mittlerweile Mitglied in der Star Alliance unter dessen Dach auch Lufthansa fliegt. Ich bin ja sonst den Service von Condor gewöhnt, den ich auch ok finde. Aber bei Egypt Air merkt man, dass man Linie und nicht Charter fliegt. Auf jedem Platz erwarten den Passagier ein nett drapiertes Kissen und eine Decke. Es gibt zwei verschiedene Essen zur Auswahl und man erhält richtiges Besteck. Zum Dessert gibt es Kuchen und Kaffee. Die sehr netten und aufmerksamen Flugbegleiter bieten auf einem Wagen eine Auswahl an deutschen Zeitungen und Zeitschriften an. Die Kopfhörer für das Bordkino sind kostenfrei. Nicht zu verachten ist für uns Taucher natürlich die Freigepäckmenge von sagenhaften 2x 23 Kilo! Die Ticketpreise sind mit denen der deutschen Charter Anbieter zu vergleichen und man kann auch bequem online Buchen, so wie ich es auch getan habe. Da der Flieger nur zu zwei Drittel ausgelastet war, konnte ich es mir auch schön bequem machen.
Mein Fazit: Ich würde immer wieder Egypt Air buchen. Man erhält Linienservice zum Charterpreis. Die Freigepäckmenge ist unschlagbar und der Flughafen Kairo ist ein angenehmes (Umsteige-)Erlebnis.
Übrigens: In München sind wir zwanzig Minuten früher als geplant gelandet 🙂

 

Freitag 20.09.2013

Good Morning Hurghada. Für mich beginnt hier vor Ort jetzt die schönste Zeit. Das Wasser ist immer noch sehr warm mit  27 Grad  und tagsüber ist es wunderschönes Sommerwetter. Wenn man Abends in den Cafés sitzt ist es angenehm kühl. Mehr und mehr Gäste finden auch den Weg zu uns obwohl jetzt auch Alltours bis Mitte Oktober die Reisen ans Rote Meer abgesagt hat. Somit sagen TUI und Alltours nein und Thomas Cook und DER  ja. Tja, dann ist der Buchungsweg ja klar um ans Rote Meer zu kommen. 🙂 Ich  könnte mir gut vorstellen, dass nach der anstehenden Bundestagswahl auch TUI und Alltours die Reisen wieder aufnehmen. Denn das Auswärtige Amt wird vor der Wahl den Reisehinweis nicht verändern. So realitätsfern dieser auch ist. Das ist eben Politik …

Donnerstag 19.09.2013

Was für ein Tag. Kein Windzug bewegt die Palmenblätter und das Meer liegt wie ein Spiegel da. Ein perfekter Tag am Roten Meer, alle Tauchziele können angefahren werden. Ein Boot war heute bei den Wracks an Abu Nuhas. Neben fantastischen Wracktauchgängen konnten die Gäste in der Mittagspause auch noch mit Delfinen schnorcheln. Perfekt! Sozusagen als Belohnung erleben die Gäste, die momentan hier vor Ort sind,  jeden Tag einsame Tauchplätze. Wenn ich mit unseren Gästen spreche, höre ich immer wieder, dass sie selten solch einen erholsamen Urlaub hatten. Übrigens wird unser Hurghada Tagebuch eine Veränderung erfahren. Damit ihr auch einmal andere Beobachtungen und Gedanken erfahrt wird mein Kollege Helmut Feix ab Sonntag hier für euch schreiben. Helmut, genannt Helle, ist zweiter Basisleiter unserer Schwesterbasis Blue Water Dive Resort und lebt auch schon seit acht Jahren in Hurghada.

Helle.

 

Mittwoch 18.09.2013

Es geht aufwärts. Auch das Touristikunternehmen DER nimmt  seine Reisen ab dem 30.09. nach Ägypten wieder auf. ( Siehe auch unseren Beitrag ) TUI hält weiterhin an dem Ägypten Boykott fest. Das ist für mich völlig unverständlich. Geht es da nur um Hotelkontingente und Preispolitik? Kein Reisemanager der bei Trost ist kann noch ernsthaft behaupten, dass es hier am Roten Meer unsicher ist. Ich denke als erwachsen denkender Mensch muss einem heutzutage klar sein, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nirgends mehr auf der Welt gibt. Selbst wer zuhause bleibt, ist nicht komplett sicher. Vor diesem Hintergrund hat das Reiseunternehmen Thomas Cook völlig recht wenn es schreibt, dass die Lage am Roten Meer kontinuierlich ruhig ist. Es kommt mir vor also ob Reisehinweise komplett am grünen Tisch entschieden werden ohne sich einen Überblick vor Ort zu verschaffen. Wie heisst es so schön in einer Werbung: Frag doch besser jemanden, der Ahnung hat …. 🙂

Dienstag 17.09.2013

Folgender Text wurde heute auf der Internet Seit des Reisekonzersn Thomas Cook veröffentlicht:

„Angesichts der kontinuierlich ruhigen Lage in den ägyptischen Urlaubsgebieten am Roten Meer werden die Veranstalter der Thomas Cook AG (Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Öger Tours) sowie die konzerneigene Fluggesellschaft Condor ab 30. September 2013 wieder Reisen nach Hurghada, Marsa Alam und Sharm El Sheikh anbieten.  … „In den vergangenen Wochen hat sich die Lage in Ägypten nach übereinstimmenden Berichten der Behörden und unserer Zielgebietsorganisation deutlich beruhigt. In den touristischen Gebieten am Roten Meer war die Situation unverändert ruhig. Aus diesem Grund und um den ägyptischen Tourismus zu unterstützen, haben wir uns entschlossen, unser Ägypten-Programm wieder aufzunehmen.“, so der Thomas Cook-Deutschland-Geschäftsführer Michael Tenzer.

Nun ist es also offiziell über was wir die gesamte Zeit berichten. Es war und ist sicher hier am Roten Meer. Die Reisehinweise waren/sind eine klassische Fehleinschätzung. Natürlich ist man geneigt nun zu sagen „Haben wir doch die ganze Zeit gesagt“, aber manche Sachen dauern eben etwas länger bis sie in die Chefetagen der Konzerne vordringen. Viel wichtiger ist es, dass die Menschen hier nun wieder mit etwas mehr Optimismus in die Zukunft blicken können.

Montag 16.09.2013

Heute habe ich im Internet ein schönes Gedicht gefunden. Ich finde die Zeilen passen wunderbar zu unserem Leben am Roten Meer. Fern von aller Politik gibt es mit schönen Worten wieder, warum wir Ägypten und seine Küste so schätzen und lieben. Einfach mal geniessen:

Des Orients Perle

Küssend geht die Sonne unter,

purpurrot ihr warmes Licht,

streichelt sanft mit letztem Lachen,

des blauen Meeres Angesicht.

Erhebt sich golden aus den Fluten,

edel so der Tag beginnt,

schüchtern spielen laue Winde,

mit Wogen, die gar zärtlich sind.

Gefühlvoll plätschert salzig Wasser,

sickert leise in den Sand,

hier begegnen sich die Träume,

ziehen friedlich über Land.

Sehnsucht hab ich nach der Ferne,

in das märchenhafte Land,

da ich neben Lebensfreude,

des Orients schönste Perle fand.

 

Sonntag 15.09.2013

Der erste Tag der Arbeitswoche in Ägypten ist der Sonntag. Für das Wochenende sind  hierzulande der Freitag und der Samstag reserviert. Nun ja, die Arbeitswoche beginnt mit meiner Planung für die Weiterbildung unserer Tauchlehrer. Wir nutzen natürlich die etwas ruhigere Zeit um unsere TLs weiter zu qualifizieren. Ich plane mit unseren Instruktoren eine Weiterbildung zum Wrack Specialty Instructor…im übrigen meine liebster Weiterbildungskurs. In so einem Wrack kann ja allerhand passieren 🙂 Ich bin gespannt, wie unsere TLs auf Stresssituationen reagieren….

Samstag 14.09.2013

Heute habe ich das Video über  Hurghada nahezu fertig gestellt. Es wird demnächst veröffentlicht werden um einen Einblick in die teilweise  katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen der Reisehinweise zu geben. Es geht dabei nicht um ein Gejammer oder Beklagen, ich möchte einfach aufzeigen wie es hier momentan vielen Menschen geht. Aber selbst in dieser  Situation gehen viele Ägypter vorbildlich damit um. Heute war auf der Hotelmeile wieder eine wahre Volksfeststimmung. Trotz sehr sehr grossen finanziellen Sorgen herrscht ein bewundernswerter Optimus vor, dass es doch bald wieder aufwärts gehen muss und die Gäste wieder ins Land kommen.

Freitag 13.09.2013

Habe mich heute auf der Basis mit einigen Gästen unterhalten. Es kam die Frage auf, ob man denn am Freitag unbesorgt nach Hurghada gehen könnte. Aber ja, war natürlich meine Antwort. Für alle die ein echtes Interesse an anderen Kulturen haben ist grade das Freitagsgebet hochinteressant. Die Gläubigen praktizieren ihre Gebete mit einer  faszinierenden Innigkeit. Dezent lässt sich dies übrigens auch gut von aussen beobachten Denn ist in der Moschee kein Platz mehr, so werden die Gebetsteppiche kurzerhand auf der Strasse ausgebreitet. Aber kaum ist die letzte Niederwerfung vollzogen, der letzte Vers aufgesagt beglückwünscht man sich und setzt sich ins Cafe um schwatzend und lachend eine Wasserpfeife zu geniessen. Es ist ja Wochenende.

Donnerstag 12.09.2013

Bei der Recherche zu dem Hurghada Video, das ich grade mache, hat es mich gegruselt. Ok, ich war in den letzten Tagen in meiner Tauchlehrer Welt unterwegs und habe mich natürlich da voll konzentriert. Umso heftiger erlebe ich nun die Realität vor Ort wieder. Die geschlossenen Shops und Ladenräume mit dem Schild For Sale oder For Rent sind zahlreicher geworden. Die Vorstellung wie viel Mühe, Arbeit und Hoffnung in jeden einzelnen dieser kleinen Läden gesteckt wurde macht einem bewusst, welche katastrophalen Auswirkungen das Ausbleiben der Touristen hat. Oftmals wurde das letzte Ersparte investiert um sich den Traum von einem bescheidenen Einkommen zu erfüllen. Diese Menschen haben alles verloren. Für uns Westeuropäer ist dies eine unvorstellbare Situation, denn ein physisches und wirtschaftliches Überleben wird von der Sozialgemeinschaft garantiert. Nur dieses Sozialsystem gibt es hier eben überhaupt nicht. Das ursprüngliche Sozialsystem der Familie ist hier noch Realität, aber wenn keiner aus der Familie mehr genügend Einkommen hat, was geschieht dann mit den Menschen?

Mittwoch 11.09.2013

Heute habe ich den ganzen Tag meinen Garten auf Vordermann gebracht. Die letzten zwei Wochen habe ich meine kleine Oase ganz schön vernachlässigt. Basilikum ist übrigens eine extrem hartnäckige Pflanze. Der kommt auch mal 10 Tage ohne Wasser aus. Uuups. Genauso hartnäckig sind auch unsere Gäste. Klasse, wie trotz der Umbucherei unsere Taucher den Weg zu uns finden. Wir sind da alle sehr dankbar und fühlen uns bestärkt auch weiterhin live aus Hurghada zu berichten. Um das auch visuell zu gestalten arbeite ich grade an einem kleinen Video. Es soll einfach mal die Auswirkungen der momentanen Anti-Ägypten Politik aufzeigen. Mein erstes Video übrigens, entsprechend vermehren sich auch die grauen Haare auf meinem lichten Schopf.

Dienstag 10.09.2013

Das war mein Tauchlehrerprogramm für den Monat September. Heute habe ich noch ein Seminar zum Erste Hilfe Ausbilder abgehalten und alle meine neuen Tauchlehrer haben auch dies gemeistert. Nach einem Drink auf der Basis hiess des dann Abschied nehmen. Sylvia und Basti fliegen über Kairo nach Frankfurt und von dort aus zurück auf die Malediven. Ursula und Holger fliegen mit Sun Exprtess direkt nach Frankfurt und Mareile geht morgen noch einmal tauchen und fliegt dann mit Edelweiss zurück in die Schweiz. Felix bleibt im Land und fängt als Tauchlehrer bei James und Mac an. Nach dem Umbuchen sind alle Kandidaten wohlbehalten hier angekommen und fliegen jetzt auch wieder planmässig nach Hause. Natürlich habe ich sie auch gefragt, ob sie sich denn sicher in Hurghada gefühlt haben oder ob sie denn ein komisches Gefühl hatten. Nicht einer hat es bereut hierher gekommen zu sein und es gab nicht eine Situation die als seltsam oder ungewöhnlich angesehen wurde. Doch, eine fällt sogar mir ein. Die Cocktails auf unserer Abschlussparty waren ungewöhnlich gut. …:-)

Montag 09.09.2013

Es war eine gute Entscheidung nach der Tauchlehrerparty erst heute um  15.00 Uhr mit der Weiterbildung zu beginnen. Meine frisch gebackenen Tauchlehrer hingen im Klassenraum dann doch ganz schön in den Seilen. Aber wer trinken kann, kann auch die  Weiterbildung zum Nitrox Instructor machen. Auf der Basis habe ich dann noch ein interessantes Gespräch mit zwei Gästen gehabt. Die jungen Damen haben unsere Internet Einträge genau verfolgt und sind dann zu ihrem Tauchurlaub nach Hurghada aufgebrochen. Das ist doch eine klasse Einstellung. Fern von Panikmache wird rational überlegt und abgewogen…und dann umgebucht und in den Tauchurlaub hergeflogen.

Sonntag 08.09.2013

Der letzte Tag der TL Prüfung. Um 9.00 Uhr ging es los. Die Rettungsübungen sowie noch zwei Lehrproben im Freiwasser standen für heute auf dem Programm. Gleich im Bus auf der Fahrt wurden noch letzte Fragen besprochen. Was würde die Kandidaten heute erwarten? Bei bestem Wetter und sehr angenehmen Temperaturen ging es wieder mit PADI Examiner Dave Griffiths los. Nach den ausführlichen Briefings für die einzelnen Übungen ging es zur Rettungsübung ins Wasser. Klasse, diese Hürde haben alle mit Bravour genommen. Schliesslich hatten wir das Retten eines bewusstlosen Tauchers ja auch sehr oft geübt. Danach ging es zu den Freiwasserprüfungen. Hier darf ich auch nicht anwesend sein. Als meine Schützlinge nach einer gefühlten Ewigkeit und einem strahlenden Gesicht aus dem Wasser stiegen fiel mir ein Stein vom Herzen. Auch wenn ich schon einige Tauchlehrer ausgebildet habe, fiebere ich jedes Mal noch mit. Bei der anschliessenden Urkundenverleihung wurde schon die Party für den Abend geplant. Diese fand im Bella Vista Hotel statt. Direkt am Strand gibt es eine unglaublich schön gelegene und stilvoll eingerichtete Cocktailbar – die Caribbean Bar. Dort gibt es (leider ;-)) sehr gute Caipirinhas und Mojitos. Ein wirklicher Geheimtip.

Samstag 07.09.2013

Heute morgen ging es um 6:30 zur Tauchlehrerprüfung. Der grosse Tag war also da. Nachdem wir alle Teilnehmer mit dem Bus eingesammelt hatten, ging es ins Hilton Plaza. Die Prüfer haben sich vorgestellt und haben das Programm der nächsten zwei Tage erläutert. Natürlich waren alle furchtbar nervös aber wohl auch froh, dass sich mich nun endlich los sind 🙂 Die Prüfung begann mit einer dreistündigen Theorieprüfung mit den Bereichen Physik, Physiologie, Ausrüstung, Tauchumgebung und Dekompressionstheorie gefolgt von einem Test über die PADI Standards. Da rauchten die Köpfe. Nach einer einstündigen Pause ging es in den Pool zur Prüfung der Tauchfertigkeiten und einer Lehrprobe im Schwimmbad, alles lief aber nach Plan und um 15.00 sassen meine Schäfchen wieder im trockenen und bereiteten ihre Klassenraum Lehrprobe vor. Wie war das noch gleich mit der Entstehung der Riffe … war ein Thema. Um 18.00 War der erste Tag vorüber. Morgen geht es weiter  mit dem zweiten Teil der Prüfung. Es bleibt also spannend ….

Freitag 06.09.2013

Der letzte Tag unserer Tauchlehrerausbildung liegt hinter mir. Morgens waren wir noch für eine Lehrprobe im Wasser, danach haben die Kandidaten noch einen Theorievortrag gehalten…. und dann begann das Packen für die morgige Prüfung. Ich mag diese gespannte Atmosphäre sehr, denn für alle IDC Teilnehmer beginnt mit dem TL Examen ein neuer Lebensabschnitt. Einige von meinen Kandidaten geben ihrem Leben eine ganz neue Wendung. Sie haben ihre Jobs in Deutschland aufgegeben und gehen als Tauchlehrer auf die Malediven. Ein mutiger Schritt in ein Abenteuer. Einige andere werden den Instructor Job nebenberuflich in der Schweiz ausüben. Aber alle verbindet eine grosse Liebe zum Tauchen.

Donnerstag 05.09.2013

Ich habe heute beim surfen im Internet einen schlauen Satz gelesen, der ganz gut auf die momentane Situation passt. Einfach mal zum nachdenken: „Wer seiner Angst nachgibt und entsprechende Orte und Verhaltensweisen meidet, macht sie nur schlimmer. Irgendwann dreht sich das ganze Leben um die Angst und sogar um die Angst vor der Angst. Wir bleiben im Bett. Vom Leben selbst ist dann nichts mehr übrig.“  Ich finde, das ist sehr treffend ausgedrückt.

Mittwoch 04.09.2013

Tja, was soll man sagen. Einige Veranstalter  haben ihren Reisestop nach Ägypten  bis Ende September ausgedehnt. Da reibe ich mir doch verwundert die Augen und überlege angestrengt welches Ereignis ich in den letzten Tagen in Ägypten nicht mitbekommen habe. Ach ja, natürlich. Die Einschulung der Erstklässler in die Deutsche Schule Hurghada war es wahrscheinlich. In solch einer Schultüte lässt sich ja auch allerhand Böses verstecken. Gemein, diese ABC- Schützen heutzutage. Ha, da haben wir’s „ABC Schützen“ – das Wort sagt ja schon alles. Und die Schüler Lotsen an der Strasse gehören bestimmt auch zu El Kaida. Also Vorsicht bei jedem Schulranzen. Ok, ok, Ironie hilft uns auch nicht weiter … aber Spass macht es trotzdem 🙂

Dienstag 03.09.2013

Erst einmal vielen Dank an die Leser meines Tagebuchs für soviel Bestärkung und positives Feedback. Neben den Berichten aus Hurghada ist für mich dieses Tagebuch auch ein gutes Mittel um meine Gedanken und Gefühle in dieser besonderen Zeit zu ordnen und auszudrücken.

Gerne würde ich folgenden Brief an unseren Aussenminister Guido Westerwelle übermitteln:

„Sehr geehrter Herr Minister, erst einmal herzliche Grüsse vom Roten Meer. Wie Sie ja durch die zuständigen Referatsleiter und weiteren Beamten aus Berlin haben mitteilen lassen, ist die Situation auch am Roten Meer nicht überschaubar. Das ist nicht ganz richtig, Herr Minister. Das Leben hier ist grade sehr überschaubar, denn durch ihren Reisehinweis haben sie es geschafft, dass die Einwohner Hurghadas und allen weiteren Touristenzentren unter sich bleiben. Keine Frage, dass ich dafür Verständnis hätte, wenn die Lage hier wirklich brenzlig wäre. Aber dies ja nun in der Tat nicht so.

Gerne würde ich Sie nach Hurghada einladen um auf der Hotelmeile mit vielen ägyptischen Familien samt Kleinkindern zu flanieren. Danach könnten wir an die neue Marina fahren. Wir wäre es denn mit einem Karaoke Abend in Papa’s Bar?  Eine schöne Vorstellung übrigens, Herr Minister. Auf ihren Song wäre ich gespannt. Vielleicht haben Sie danach noch Lust auf einen Snack im Costas Café, gleich neben Burger King. Oder zieht es Sie doch ins Whites auf die Tanzfläche. Sie sehen, Splitterschutzweste und Stahlhelm können sie getrost zu Hause lassen. Statt dessen empfehle ich dringend Maske, Schnorchel und Flossen. Ach ja, die grösste Gefahr hier ist ein Sonnenbrand – also Sonnencreme nicht vergessen.

Ich verbleibe mit sonnigen Grüssen aus Hurghada. Kommen Sie doch mal vorbei.

Ihr Farid und das Team von James und Mac“

Montag 02.09.2013

Puuuh, das war ein Tag. Der Tauchlehrerkurs war heute  wirklich 3 Stunden im Wasser, danach noch ein paar Übungen als Sondereinlage und Abends noch etwas Sport. Zur Belohnung bin ich dann in die La Luna Pizzeria gefahren. Es waren wirklich nur vier Gäste dort. Ein wunderbarer ägyptischer Abend und fast alle Tische waren leer. Die Kellner standen sich die Beine in den Bauch. Als ich über die Situation mit ihnen gesprochen habe, brach es förmlich aus ihnen heraus. Wie üblich in der Gastronomie wird auch hier ein grosser teil des Einkommens über das Trinkgeld generiert. Wenn dieser Teil wegfällt, wie momentan, ist es sehr schwer die Familie über Wasser zu halten. Hurghada ist momentan wirklich leer. Auf dem Weg nach Hause habe ich grade einmal eine Handvoll Touristen gezählt. Dort wo sonst in den Abendstunden das pralle Leben herrscht, bleiben die Shopbesitzer unter sich. Wem es nicht gelang sich ein kleines finanzielles Polster zu schaffen, hat es in diesen Zeiten sehr sehr schwer.

Sonntag 01.09.2013

So, ein neuer Monat liegt vor uns. Ich schaue gespannt auf die weitere Entwicklung des Landes. Ich bin gespannt ob die Reiseunternehmen ab dem 15. September die Reisen nach Ägypten wieder aufnehmen. Ich bin da optimistisch, da viele unserer Gäste uns anschreiben, dass sie nur warten bis sie wieder herkommen können. Der interne Streit der Reisebranche wurde auch in einem FAZ Artikel gut dokumentiert.

Durch die Zusammenlegung der Basen haben wir auch etwas Betrieb in der Tauchbasis. Das ist auch gut so, denn wer rastet der rostet.  Heute sind wir auf das Meer herausgefahren und es waren kaum andere Boote unterwegs. Unsere Bootsbesatzungen sind froh, dass zumindest  unser Tauchlehrerkurs regelmässig rausfährt.Unsere Mannschaften lieben das Meer genauso sehr wie ich und was ist schon ein Seemann, der nicht aufs Meer hinaus fahren darf ?

 

Hier findest Du die August Tagebucheinträge

 

99 Kommentare zu "Unser Hurghada-Tagebuch im September"

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